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So können Unternehmer Stress vermeiden

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So können Unternehmer Stress vermeidenSo können Unternehmer Stress vermeiden

 

Weniger als 48 Stunden, bevor Unternehmerin Tamara Monosoff ihr neues Produkt erstmals auf einer Messe vorstellen wollte, passierte die Katastrophe.

Die Verpackung von TP Saver, einer einfachen Erfindung, die verhindert, dass Kleinkinder die komplette Toilettenpapierrolle abwickeln, war vollkommen kaputt. Und mit ihr das Produkt.

„Es sah wirklich nicht schön aus“, erinnert sie sich.

Monosoff hatte schon Monate vor der Messe mit der Planung begonnen, um einen reibungslosen Produktionsablauf zu gewährleisten. Sie hatte die Grafiken auf der Verpackung abgenommen, sichergestellt, dass der Zusammenbau korrekt abgeschlossen wurde, ihren Stand auf der Messe bezahlt und die Lieferung des Produkts an den Veranstaltungsort arrangiert. Bevor sie die Charge erhielt, sah sie der Messe mit großer Zuversicht entgegen.

„Allein die Erinnerung daran löst bei mir heute noch Stress aus“, sagt sie elf Jahre nach dem Debakel. „Manchmal passieren Dinge, mit denen man einfach nicht gerechnet hat. Man kann perfekt planen und dann kann trotzdem alles vollkommen aus dem Ruder laufen.“

Trotz ihrer Panik riss sich Monosoff zusammen. Sie nahm ihre Klebepistole und bat ihren Ehemann um Hilfe. Die beiden verbrachten die Nacht damit, das Produkt so gut wie möglich wiederherzustellen.

So können Unternehmer Stress vermeidenSo können Unternehmer Stress vermeidenEs war zwar nicht perfekt, aber Monosoff stellte es dennoch aus und überzeugte damit ihre ersten 50 Kunden – das war die Geburtsstunde ihres Unternehmens. Diesen Erfolg verdankte sie ihrer Hartnäckigkeit, der Neuartigkeit des Produkts und ihrer Vermarktung: Monosoff lockte die Messebesucher mit einem 2,5 Meter großen Poster an ihren Stand, das ihre Tochter zeigte, wie sie den TP Saver benutzte. Heute ist Monosoff Buchautorin und regelmäßig Gast in US-Talkshows wie „Katie“, um über geschäftliche Themen zu sprechen. Außerdem arbeitet sie als Coach für Unternehmer aus den unterschiedlichsten Bereichen.

„Die Moral der Geschichte ist: Wenn es schwierig wird, kann man sich sagen: Oh Gott, jetzt ist alles aus! Oder man kann sagen: Das ist jetzt eine schwierige Situation, was kann ich tun, um sie zu lösen?“, erklärt sie. „Irgendwann landet man als Unternehmer immer in einer Sackgasse, aber dann muss man eben nach einem neuen Weg suchen. Man darf sich nicht aufhalten lassen.“

Jeder Unternehmer war schon einmal in einer ähnlich nervenaufreibenden Situation wie Monosoff. Ein Unternehmen besteht aus so vielen beweglichen Teilen, dass es unmöglich ist, es bis ins kleinste Detail ständig unter Kontrolle zu haben. Und wenn vieles gleichzeitig schiefgeht, kann das Geschäft darunter leiden. Ein Drittel aller Neugründungen scheitert innerhalb von zwei Jahren und die Hälfte aller Unternehmen schließt innerhalb von fünf Jahren – das ist die harte Realität für Unternehmer. Nur jedes vierte Unternehmen hält sich laut der US-Behörde Small Business Administration länger als 15 Jahre.

Einerseits kann die Angst, einen Auftrag zu verlieren, Geschäftsgründer dazu motivieren, Termine einzuhalten, effizient mit Mitarbeitern zu kommunizieren und letztlich ein besseres Produkt zu liefern. Andererseits kann es als eine unüberwindbare Aufgabe erscheinen, Mitarbeiter mit unterschiedlichen Persönlichkeiten effektiv zu führen, profitabel zu werden und zu bleiben, Kundenwünsche zu erfüllen und ein Produkt zu entwerfen, das der Konkurrenz voraus ist. Manchmal kann die Herausforderung geradezu lähmen. Hinzu kommt, dass sich ein Unternehmen ständig verändert, in allen Bereichen: Mitarbeiter kommen und gehen, man macht Gewinn oder fährt Verluste ein. Schnell fühlen sich Unternehmer mit der Verantwortung allein gelassen.

„Man kann sich um vieles Sorgen machen. Ein Unternehmensgründer muss sich vieler Probleme annehmen, für die sich sonst niemand verantwortlich fühlt“, sagt John Lynn, Programm-Manager beim Startup Institute, der über diese Organisation und Techstars bereits Dutzende von Start-ups betreut hat. „Es gibt dabei so viel Ungewissheit und Unklarheit.“

Unternehmer sehen sich häufig Situationen ausgesetzt, die sie so noch nie erlebt haben, weder in ihrem Privatleben noch in der Schule oder in früheren beruflichen Tätigkeiten.

„Nichts im Leben bereitet Sie darauf vor, was Sie als Unternehmer erleben werden“, sagt Peter Shallard, ein ehemaliger Psychologe, der sich inzwischen auf das Mentoring von Unternehmern spezialisiert hat.

Shallard fügt hinzu, dass viele Unternehmer eine Persönlichkeit vom Typ A aufweisen: Sie sind extrem ehrgeizig, selbstkritisch, sehr organisiert und neigen zu Ängsten.

„Sie stellen in allen Lebensbereichen außerordentlich hohe Anforderungen an sich selbst“, sagt er. „Sie wollen ein erfolgreiches und gewinnbringendes Unternehmen, ein perfektes Privatleben und eine super Figur. Es ist schwer, das alles gleichzeitig zu erreichen, und sie setzen sich dadurch stark unter Druck.“

Trotz dieser Herausforderungen müssen Unternehmensgründer ihre Ängste unter Kontrolle bringen. In Stresssituationen die Ruhe und den Überblick zu bewahren – das zeichnet neun von zehn Leistungsträger aus, wie sich in einer Umfrage von TalentSmart herausgestellt hat, einem Anbieter von Produkten und Dienstleistungen im Bereich der emotionalen Intelligenz.

Expertentipps gegen Stress für Unternehmer:

Suchen Sie sich einen hervorragenden Mentor und andere Unternehmer, mit denen Sie sprechen können. Laut Lynn braucht jeder Unternehmensgründer einen Mentor. „Wenn Ihnen ein Mentor erzählt, wie sich eine Situation zum Positiven oder Negativen gewendet hat, gewinnen Sie eine neue Perspektive auf Ihre eigenen Ungewissheiten. Das kann dem Gefühl der Isolierung und Einsamkeit ein Ende bereiten.“ Den richtigen Mentor zu finden, „ist genauso wichtig, wie einen Mitgründer zu finden“, fügt er hinzu. Die Start-up-Community ist ein weiterer Ort, um Kameradschaft zu finden und Gleichgesinnte zu treffen.

Es geht um Kommunikation, Kommunikation und nochmals Kommunikation. Lynn zufolge liegt der größte Unterschied zwischen einem Anfänger und einem erfahrenen Unternehmer in der Fähigkeit, Schwächen zuzugeben. Probleme lassen sich dann lösen, wenn Sie sich ehrlich eingestehen, was Sie brauchen – ob es um die Einstellung eines neuen Mitarbeiters mit Kompetenzen geht, die Ihnen fehlen, oder um einen Mentor, der über mehr emotionale Intelligenz verfügt als Sie. „Wenn Sie ein Team leiten, müssen Sie als Unternehmensgründer auch über Ihre eigenen Herausforderungen sprechen können“, sagt er. „Das schafft mehr Vertrauen zwischen Ihnen und Ihrem Team.“

Stellen Sie Fragen und seien Sie bereit, aus den Antworten zu lernen. Die erfolgreichsten Unternehmer sind die, die niemals aufhören, zu lernen. Sie stellen Fragen und haben keine Angst davor, was andere von ihnen denken. „Wir stehen uns selbst im Weg, weil wir uns von Dingen, die wir nicht kennen, einschüchtern lassen“, sagt Monosoff.

Akzeptieren Sie, dass es Probleme geben wird. Sie werden eine Lösung finden. Genauso wie Monosoff es erlebt hat, wird es auch bei Ihnen immer wieder zu unerwarteten und schwierigen Situationen kommen. „Aber wissen Sie was? Sie werden damit fertig werden. Manchmal müssen Sie einfach nur loslassen und sich klarmachen, dass Sie Ihr Bestes geben, und dass das alles ist, was Sie tun können“, sagt Monosoff. Grübeln Sie nicht über Fehler nach, auch wenn sie noch so schwerwiegend erscheinen. Versuchen Sie stattdessen, daraus zu lernen. Und vertrauen Sie sich selbst. Sie schaffen es!

Bemühen Sie sich um Auszeiten. Gönnen Sie sich Zeit für sich selbst, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben. Machen Sie einen Yogakurs oder einen Fahrradausflug, gehen Sie zu einer Massage oder besuchen Sie ein Museum, beginnen Sie mit dem Schreiben oder verbringen Sie Zeit mit alten Freunden. Monosoff bezeichnet es als „heilige Momente“, wenn sie sich Zeit nimmt, um sich von all der Hektik zurückzuziehen und zu erholen. Solche Momente sind wichtig für Ihr seelisches Gleichgewicht und helfen Ihnen, neue, kreative Ideen zu entwickeln. Außerdem können sich dabei unerwartete Gelegenheiten ergeben. Monosoff sagte bei einem geschäftlichen Event ab, um stattdessen an einer Veranstaltung ihrer Tochter teilzunehmen, die für ihre Schreiberfolge ausgezeichnet wurde. Dort ergab sich aus einem Kontakt der Auftrag, als Rednerin aufzutreten. „Das war damals überhaupt nicht geplant“, sagt sie. „Aber es ergeben sich Gelegenheiten, wenn man nicht angestrengt danach sucht.“

Ablenkung lauert überall. Bleiben Sie konzentriert und teilen Sie Ihre Zeit effizient ein. Für einen Unternehmer mit Familie in einer rund um die Uhr vernetzten Welt „ist ein Gleichgewicht als Anspruch einfach lächerlich“, sagt Monosoff. Zeitplanung hingegen ist wesentlich. Monosoff brachte ihre Kinder zu Freizeitaktivitäten wie Zeichen- oder Karatekursen und arbeitete währenddessen vor den Schul- und Trainingsräumen auf ihrem Notebook weiter. Sie achtete darauf, wie viel Zeit sie am Telefon und hinter ihrem Notebook verbrachte, und mied den Gebrauch von elektronischen Geräten während des Essens. Auf diese Weise konnte sie sich ihrer Familie widmen und eine berufliche Überlastung verhindern. „Ich nutze jeden Augenblick maximal aus“, sagt sie.

Seien Sie dankbar. Seit einigen Jahren beginnt für Monosoff jeder Tag mit der Überlegung, wofür sie dankbar ist. Dabei kann es sich um ihr Privatleben oder um ihr Geschäft handeln. „Wenn ich danach mein Büro betrete, ist das die Grundlage für meinen Tag“, erklärt sie. „Als Unternehmer verfolgt man ein Ziel und erleidet Rückschläge. Eine Einstellung der Dankbarkeit gibt mir jedoch wieder Energie und Schwung. Man kann sich selbst motivieren, wenn man sich klar macht, wofür man dankbar ist.“

Konzentrieren Sie sich weniger auf die Finanzierung als darauf, das richtige Team zusammenzustellen. Natürlich ist Kapital für den Aufbau eines Unternehmens wichtig, aber es ist nicht alles. Es ist wesentlich wichtiger, so schnell wie möglich die richtigen Mitarbeiter zu finden, um sich im weiteren Verlauf viel Stress zu ersparen, erläutert Lynn.

Eine langfristige Strategie

Langfristige Perspektiven sind eines der besten Mittel zur Stressbekämpfung. Wo möchten Sie in sechs Monaten stehen? Shallard rät, sich ehrgeizige Träume zu erlauben und sich nicht vom täglichen Stress vereinnahmen zu lassen.

„Was mir als Unternehmer am meisten gebracht hat, waren große Ziele und große Träume“, sagt Shallard. „Etwas Kleines schaffen zu wollen, ist weitaus weniger bereichernd.“

Lassen Sie sich nicht von den täglichen Sorgen überwältigen, sondern denken Sie daran, warum Sie das Wagnis Unternehmensgründung überhaupt eingegangen sind.

„Es gibt viele, die sich einschüchtern lassen“, so Shallard. „Sie zögern, weil sie Angst bekommen. Aber es sind gerade die Start-ups, die den amerikanischen Traum leben. Sie können etwas wirklich Großartiges schaffen.“

 

 

Megan Anderle

Megan Anderle

Megan Anderle ist eine Journalistin mit Sitz in New York, deren Spezialgebiete Technologien, Wirtschaft, und Nachhaltigkeit umfassen. Ihre Arbeiten sind in The Guardian, Forbes, und The Record erschienen.

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